Studie belegt, Sport unterstützt den Lernerfolg

Welche Aktivitäten unterstützen die Merkfähigkeit nach einer Lernphase? Diese zentrale Frage beschäftigte Harald Kindermann, Professor für Marketing und Konsumentenverhalten an der FH Oberösterreich, Andrija Javor, Neurologe im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Linz, sowie Martin Reuter, biologischer Psychologe an der Universität Bonn, welche zu diesem Thema ein Feldexperiment mit jungen Männern aus dem oberösterreichischen Zentralraum durchführten.

Auf Basis bisheriger Erkenntnisse beschränkten sie sich dabei auf die zentrale Phase nach einer Lernphase und vermuteten einen Zusammenhang zwischen dem Stresslevel durch die zu dieser Zeit ausgeführten Aktivitäten und der individuellen Merkfähigkeit. Insbesondere war dabei jedoch nicht nur wichtig in wie weit physiologischer Stress bestand, sondern vor allem auch psychologischer Stress in Form einer wahrgenommenen Bedrohung. So fanden die Forscher, dass vor allem junge Männer geeignete Studienkandidaten für die Erforschung dieser Fragestellung sind, da viele von ihnen ähnlichen Freizeitaktivitäten nachgehen, wobei sich vor allem Computerspiele und sportliche Aktivitäten (Laufen) klar absetzten. Beide Aktivitäten waren dabei gut geeignet für die nähere Betrachtung der Fragestellung, da zwar beide physischen Stress auslösen (in Form einer Anspannung während der Tätigkeit), jedoch nur Computerspiele (in diesem Fall ein Shooter) auch zu einem wahrgenommenen Bedrohungsszenario führen können (der eigene Charakter wird von einer Kugel getroffen). Die Forscher stellten daher die Hypothese auf, dass die zusätzlich zu verarbeitenden Informationen während des Bedrohungsszenarios (Computerspiel) dazu führen, dass Lerninhalte weniger gut widergegeben werden können als im Fall von nicht-bedrohlicher physischer Aktivität (Laufen), welche sich sogar positiv auf die Merkfähigkeit auswirken könnte.

Zur Überprüfung dieser Annahmen wurden die Daten von 54 jungen Männern im Alter von 16-29 Jahren herangezogen, welche im Anschluss an eine Lernphase entweder eine Stunde mit Laufen, Computerspielen oder einer reinen Ruhephase (keine wesentlichen Aktivitäten) verbrachten. Zudem wurden zu drei Zeitpunkten Speichelproben entnommen, welche die Analyse des Stresslevels der Teilnehmer (Kortisol-Ausschüttung) erlaubten. So fand man heraus, dass es zwar einen Zusammenhang zwischen der ausgeführten Aktivität und der Merkfähigkeit gibt (bessere Merkfähigkeit im Anschluss an die sportliche Aktivität als das Computerspielen), jedoch keinen direkten Zusammenhang zwischen Kortisol-Ausschüttung und Merkfähigkeit. Im Gegensatz zu den aufgestellten Erwartungen entspannten sich die Teilnehmer sogar während der Phase des Computerspielens (geringere Kortisol-Werte). Entscheidendes Ergebnis der Studie ist daher, dass es einen klaren Unterschied macht, welche Aktivität nach einer Lernphase ausgeführt wird, vor allem wenn diese eine intensive Verarbeitung von Informationen erfordert.

Link zur Studie: http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1389041715300139

Kindermann, Harald; Javor, Andrija; Reuter, Martin (2016): Playing counter-strike versus running: The impact of leisure time activities and cortisol on intermediate-term memory in male students. Cognitive Systems Research 40, pp. 1-7