Extreme der Human Computer Interaction – Lifelogging und Technostress

Im November dieses Jahres fand bereits zum zweiten Mal das Forum IoT im Museumsquartier in Wien statt. Diese Veranstaltung widmet sich Themen rund um das Internet of Things und zieht ein großes Publikum an Forschern, Praktikern, und Interessierten an. Neben einer Ausstellung aktueller Technologien, bietet das Forum auch Platz für Vorträge zu den aktuellen Trends in diesem Bereich.

Forum IoT 2016 – ready for digital transformation

In der Vortragsreihe “Beispiele aus Industrie/Praxis” durften bekannte Gesichter aus dem Umkreis des DBM-Studiengangs ihre aktuellen Themen einbringen.

Den Auftrakt machte Thomas Arnitz mit einer Geschichte über sein digitales Unternehmen “Ligaportal“, einer Online-Plattform mit Live-Berichte und Ergebnisse zu österreichweiten Fußball-Matches. Besonderes Merkmal und auch Herausforderung der Plattform ist dabei der wertvolle Content, welcher von den Nutzern bereitgestellt beigesteuert wird und damit Ligaportal zu einem Gemeinschaftsprojekt von Fußball-Begeisterten aus ganz Österreich macht.

Den zweiten Vortrag lieferte der DBM-Absolvent Alfons Weinzierl, der gemeinsam mit zwei weiteren Jung-Unternehmern (darunter mit Alexander Böckl, ebenfalls DBM-Absolvent) die App “wuidi” entwickelte und nun vermarketet. Die App warnt Autofahrer vor erhöhtem Wildwechsel und den damit verbundenen Gefahren in Echtzeit und erleichtert im Fall eines tatsächlichen Wildunfalls die Abwicklung durch eine direkte Benachrichtigung des zuständigen Jägers.

Der abschließenden Vortrag wurde von einem weiteren DBM-Absolventen und wissenschaftlichen Mitarbeiter im Digital Business Team, Thomas Fischer, zum Thema “Lifelogging” beigesteuert.

IOT-Forum 2016
v.l.n.r.: Thomas Fischer, Alfons Weinzierl, René Riedl, Thomas Arnitz

Lifelogging – die digitale Vermessung des Selbst

Unter “Lifelogging” kann man einen Trend hin zur Dokumentation des eigenen Lebens verstehen. Dabei gibt es extreme Formen und Visionen der “vollständigen” Erfassung aller Erfahrungen über das gesamte Leben, aber auch verbreitetere Formen, die sich nur auf die Sammlung von Daten zu Teilbereichen des Lebens beziehen, welche auch ohne Technologie bereits zuvor für einen großen Personenkreis interessant waren (z. B., automatisierte Bildaufzeichnung von bedeutenden Ereignissen oder Tracking von sportlichen Aktivitäten und/oder gesundheitlichen Daten).

Auf den drei Ebenen “technologische Entwicklungen; Anwendungen; und Verbreitung” wurde beim Vortrag diskutiert ob Lifelogging nur ein Trend ist oder tatsächlich eine Zukunft hat. Besonders beeindruckend waren dabei die Hintergründe zu den technologischen Entwicklungen welche Lifelogging heute ermöglichen und dem Beispiel des Elliott 405 und Raspberry Pi Zero. Mit nur 9 Gramm und Kosten von US $ 5 stellt die heutige Technologie die Spitzengeräte der Vergangenheit mehr als nur in den Schatten (Elliott 405: ca. 3-6 Tonnen; ca. € 2.2 Mio inflationsbereinigt) und ist wesentlich leichter zu einem Teil unseres täglichen Lebens zu machen.

Durch die immer größere Zahl an möglichen Anwendungen, vor allem ermöglicht durch den hohen Durchdringungsgrad unserer Gesellschaft mit leistungsstarken Information- und Kommunikationstechnologien, sowie den bereits vorhandenen Lifelogging-Gewohnheiten (z. B., Aufzeichnung der eigenen sportlichen Performance und verbundenen gesundheitlichen Indikatoren wie Herzrate und Körpergewicht) lautete das Fazit für Lifelogging, dass es sich um ein Technologie-gestütztes Verhalten handelt das im Kommen ist, aber sich aus ebenso vielen Gründen noch nicht in der Gesellschaft durchsetzen konnte (z. B., Datenschutz und rechtliche Bedenken).

Die Präsentation steht auch online zur Verfügung und es gibt dazu ein Poster bei einer wissenschaftlichen Tagung in der zweiten Dezember-Woche, in Dublin. Zudem wird derzeit daran geforscht ob sich Lifelogging-Technologien etwa auch zur Erhebung von Stress in Unternehmen einsetzen lassen. Das Potenzial von Lifelogging für die Erforschung von NeuroIS-Themen war bereits Thema beim diesjährigen Gmunden Retreat on NeuroIS.

Dissertation zu Technostress in Organisationen

Im Rahmen seiner Dissertation beschäftigt sich Thomas Fischer mit Technostress (Stress, der durch die Nutzung und Allgegenwärtigkeit von digitalen Technologien verursacht wird; siehe dazu auch den Vortrag von Prof. Riedl beim Forum IoT) und unter anderem auch damit ob Lifelogging-Technologien (z. B., Brustgurt zur Herzraten-Messung und kommerzielle Geräte zur Messung von Blutdruck am Handgelenk) zur Messung von Stress-Indikatoren eingesetzt werden können ohne jedoch selbst wieder Technostress auszulösen.

Die Dissertation wird unter anderem vom Land Oberösterreich im Rahmen des Joint PhD Program “Digital Business International” (FH OÖ und JKU) gefördert.

Thomas Fischer BA MSc

Thomas Fischer ist als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich “Digital Business” der Fakultät für Management in Steyr tätig. In seiner Forschung befasst er sich mit den Extremen der Human-Computer Interaction und vor allem damit wie man mit dem Stresspotenzial der Digitalisierung zukünftig in Unternehmen umgehen kann.

Mehr Details zu seiner Forscherkarriere mit Digital Business Projekten und Publikationen sind hier zu finden: Experten-Profil in der Wissensdokumentation der FH Oberösterreich

Bei Anfragen zu wissenschaftlichen Projekten im Usabilty und Computer Interaction Bereich nehmen Sie gerne mit uns Kontakt auf: dbm@fh-steyr.at

Mehr allgemeine Infos zur Forschung im Digital Business: www.digital-business.at/forschung-entwicklung-digital-business